Ein Großereignis wirft seinen Schatten auf die Stadt. Und das obwohl Berlin schon genug Probleme hat: Wohnungsnot, Lehrermangel, Menschenfrust. Aber wenn schon Untergang des Abendlandes, dann wenigstens mit Pest-Party. „Wat zu süffeln jibt et och. Nur nacher ni mer.“

Um die Sache ordentlich anzuschieben, haben wir nach langen Verhandlungen ein Kooperationsabkommen mit MASTERPLAN B geschlossen. Und da der Roman den Harald kennt, dürfen die auch als HEADLINER antreten. Das steht im §14a. Außerdem haben die eine solide Fanbasis und machen die Bude voll.

Hunter.Denoise kann das aber mit der selbstbewussten Sicherheit der LOKALCHAMPIONS weglächeln. Psychedelischer Bunga-Punk vs Hippster Hop-Dub-Core. Da weiss ich doch schon, wie das ausgeht, eh. Bei denen tanzt doch keiner.

Egal, wichtig ist, dass ich hier noch eine VG Wort Zählmarke verbaue, und dazu benötige ich,… Moment… , exakt noch 1042 Zeichen von HIER aus.

Also wo war ich, ahja, Bunga-Punk, ein viel zu wenig beachtetes Sub-Genre des Mega-Punk, der es, wegen des werbewirksameren Namens, zu einiger Bekanntheit auch im Radio gebracht hat. Erinnert sei hier an Bands wie Lost, Owners Manual, Zika und, aus Deutschland, Katapult.

Es gab ja schon in den neunziger Jahre eine doch recht geschlossene Bunga-Punk Szene. Quasi mit Mitgliedsausweis. Ich weiß noch, wie ich in der Aufnahmeszeremonie Gedichte von Friedrich Nietzsche in eine Kloschüssel sprechen musste und der Vorsitzende Bunga-Punker, ein Typ Namens DEO (auch schon tot) ist in den Keller gegangen und wenn er es durch die Rohre hören konnte, war man dabei. Eine Frage der Angleichung der Stimm- und der Rohrfrequenz. Nur wer das kapieren konnte, war ein echter Bungapunker. Später haben wir nur noch Bier getrunken. Ist ja och alles den Bach runtergegangen in den Zweitausendern.

Aber nun brauchen wir das Geld und es gibt ein Revivalkonzert und zwar am 01.06.19 im Unter Rock in Berlin, Fürbringerstr.20. Komm, wenn du dich traust. Keine Ahnung wanns losgeht.

Normalerweise sind da wo ich bin wenig Kameras. In den letzten Wochen saß ich nämlich am Schreibtisch und habe an meinem neuen Roman „Tonatiuh oder Apokalypse in Pasewalk“ für den Berliner Independent Verlag Periplaneta gearbeitet. Jetzt ist er fertig. Von meiner Seite jedenfalls. Wenn alles gut geht, kommt er im Herbst raus.

„Tonatiuh oder Apokalypse in Pasewalk“ ist ein Zukunftsroman, der im Jahr 2023 spielt und den beruflichen und privaten Abstieg Konrad Falls, eines bekannten TV-Sportreporters, erzählt. Das 2023 ist natürlich nicht so schön wie das Jahr 2019 , denn Deutschland ist aus dem Euro ausgestiegen und zur Goldmark zurückgekehrt, ein allmächtiges Contentmanagementsystem regelt den journalistischen Informationsfluß und in Polen drängt eine künstliche Intelligenz nutzlose Menschen aus dem Land. Dystopie muss sein, aber ansonsten scheint die Sonne, naja, gelegentlich. Wie in Wirklichkeit.

Unfähig mit der technischen Entwicklung in seinem Metier mitzuhalten und durch einen außer Kontrolle geratenen Alkoholkonsum, gerät der Hauptprotagonist ins berufliche Abseits. Konrad Fall ist nach seinem Rauswurf aus der Kanal 2-Sportredaktion, bei „Content Mafia 24“ angestellt, einem digitalen Mediendienstleister. Er ist eine völlige Fehlbesetzung.

Als Konrad Fall zur Berichterstattung über den angeblich bevorstehenden und durch einen aztekischen Kalender vorhergesagten Weltuntergang nach Pasewalk abgestellt wird, ist seine journalistische Demütigung perfekt. Über ein nicht stattfindendes Ereignis, über das Nichts, aus einer ihm unbekannten Kleinstadt, berichten zu müssen, wird zur beruflichen und existentiellen Bedrohung für den ehemals berühmten Sportmoderator.

Er setzt alles daran in Pasewalk die Welt wenigstens ein bisschen untergehen zu lassen. Um mit einer perfekten Medienkampagne über das Nichts, seinen beruflichen Wiederaufstieg einzuläuten. Er findet im insolvenzbedrohten Bestattungsunternehmer Pölke einen hilfsbereiten Kompangon. Zusammen veranstalten sie die „Apokalypse in Pasewalk“.

Erste Passagen aus „Tonatihu oder Apokalypse in Pasewalk“ werde ich am 12.Juli 2019 im Periplaneta Literaturcafe in der Bornholmerstr.81 lesen. Dazu vorraussichtlich Gedichte der Prenzlauer Berg Connection in einem Looper zerlegen: Thomas Brasch, Bert Papenfuss und Sascha Anderson. Dazu wird ein bunter Strauß an Tucholsky und Brecht Liedern von Torsten Hamperl missinterpretiert.

Issac Asimov: Ich, der Robot.

Asimovs Roman „Ich, der Robot“ erschien erstmals 1950. Wobei „Roman“ als literarische Gattungbezeichnung nicht ganz korrekt ist, denn bei „Ich, der Robot“ handelt es sich um neun durch eine Rahmenhandlung zusammengehaltenen Kurzgeschichten, die einzeln schon vorab erschienen waren.

Unsterblichen Ruhm erlangte „Ich, der Robot“ durch die Formulierung der „Robotergesetze (The three laws of robotics)“. Diese tauchen erstmals in der im Roman enthaltenen Erzählung „Runaround“ auf. Und lauten wie folgt:

1.Ein Roboter darf kein menschliches Wesen verletzen oder durch Untätigkeit zulassen, dass einem menschlichen Wesen Schaden zugefügt wird.

2.Ein Roboter muss den ihm von einem Menschen gegebenen Befehlen gehorchen – es sei denn, ein solcher Befehl würde mit Regel eins kollidieren.

3.Ein Roboter muss seine Existenz beschützen, solange dieser Schutz nicht mit Regel eins oder zwei kollidiert.

Asimov, Ich, der Robot, Heyne, 1979

Der Roman

Issac Asimov (1929- 19929

In „Ich, der Robot“ werden verschiedene Szenarien durchgespielt, in denen die „Robotergesetze“ die Automaten zu einem bestimmten Verhalten zwingen, das nicht immer im Sinne der menschlichen Erfinder ist. Den „Fehler“ zu finden wird von einer Robotgeneration zur nächsten immer schwieriger. Die Hauptprotagonisten, die Ingenieure Gregory Powell und Minchael Donovan sowie die Roboterpsychologin Susan Calvin, sind damit beschäftigt den Gründen für die unterschiedlichen „Störfällen“ der Automaten nachzugehen. Von Geschichte zu Geschichte werden die Roboter immer menschenähnlicher und zeigen Formen eines Selbstbewusstseins. Am Ende steuern mehrere Künstliche Intelligenzen die Wirtschaftskreisläufe des Planeten.

Planwirtschaft durch KI

Und das ist natürlich durchaus eine interessante Vorstellung: Planwirtschaft mit Hilfe von KI. Da der Kapitalismus, vor allem in seiner derzeitigen Erscheinungsform als Finanzkapitalismus, per Statut Krisen produziert (größtenteils Überproduktionskrisen und Finanzblasen), ist die Idee einer auf KI basierenden Planwirtschaft nicht ohne Charme. Denn das kann KI, Datenmengen bewältigen, Produktionszyklen planen; Verteilung organisieren, nur gute Witze machen, kann sie nicht.. Aber die Stahlproduktion eines bestimmten geografischen Raumes mit dessen Industrie- und Bauwirtschaftsdaten abzugleichen, kann sie vermutlich. Es gibt da auch durchaus historische Vorläufer bzw Realisierungsversuche, z.B das chilenische Cybersyn unter der Regierung Allende Anfang der siebziger Jahre.

Cybersyn

Cybersyn Kontrollraum

Chile als Vorreiter der Digitalisierung der Wirtschaft? Genau! Nachdem in Chile ab 1970 ein Großteil der Schlüsselindustrien verstaatlicht worden waren und deren Organisation und Steuerung einer Zentralen Verwaltung unter Fernando Flores übertragen wurde, enstand die Idee sich kybernetischer Managmentmodelle zu bedienen. Stafford Beer, englischer Organisationsforscher und Kybernetiker („Cybernetics and Management“, 1967), wurde mit der Aufgabe betraut, die chilenischen Volksbetriebe so zu vernetzen, dass eine zentrale Steuerung der Ressourcen und ein schnelles Beheben von Problemen gewährleistet wären. Die Steuerung bestand genaugenommen aus einem IBM Zentralcomputer und 400 Telexmaschinen, die aus den den Betrieben täglich 12 Kernzahlen übertrugen. Ein zentrales Eingreifen in den Produktionsprozess war aber erst vorgesehen für den Fall, dass die Probleme nicht lokal behoben werden konnten. Der Operationroom des Projekts Cybersyn ist ein gutes Beispiel für die Vereinbarkeit von sozialem Ausgleich, Demokratie, fortschrittlicher Organisation, Technik und Design. Hier ist ein zentraler Ansatzpunkt neue soziale Wirtschaftsformen zu denken. Denn bei dem heutigen Stand der Digitalisierung ist eine zentrale Plannung der wichtigsten Ressourcen, Großbetriebe, Wohnungen machbar und ein schönes Projekt für eine wache und kluge Generation von Menschen.

Weiterführend in dem Zusammenhang:

Medina, Eden (2014). Cybernetic Revolutionaries: Technology and Politics in Allende’s Chile.

Paul Mason Postkapitalismus, Grundrisse einer kommenden Ökonomie

Karl Marx, Maschinenfragment (aus: Grundrisse der Kritik der Politischen Ökonomie)

Punshline

„Stephen, wie können wir wissen, was letztlich gut ist für die Menschheit? Uns stehen die unendlich vielen Faktoren nicht zur Verfügung, die die Maschine besitzt. Vielleicht ist es ein gutes Beispiel, wenn ich sage, dass unsere ganze technische Zivilisation mehr Unglück und Elend geschaffen als beseitigt hat. Vielleicht wäre eine landwirtschaftliche Zivilisation mit weniger Kultur und weniger Menschen besser. Wir wissen es nicht. Nur die Denkmaschinen wissen es, gehen auf jenes unbekannte Ziel zu und nehmen uns mit sich.“

„Aber Susan – mit dem was Sie soeben sagen, behaupten Sie ja die „Gesellschaft für die Menschlichkeit“ habe recht, und Sie geben zu, dass wir tatsächlich die Entscheidung, über unsere Zukunft verloren haben.“

„WIR HATTEN SIE JA NIE. Immer waren wir auf Gnade und Barmherzigkeit ökonomischen und sozialen Kräften ausgeliefert, die wir nicht verstanden haben. Wir waren abhängig von den Launen des Klimas und der Wechselfälle der Kriege. Die Maschinen verstehen all diese Kräfte, und keiner kann sich ihnen in den Weg stellen. Wer immer es tut den werden die Maschinen beseitigen, so wie sie die Mitglieder der „Gesellschaft für Menschlichkeit“ beseitigt haben. Denn die MAschinen haben jene beste Waffe zur Verfügung, die es gibt – die absolute Kontrolle über unsere Wirtschaft.“

„Wie grauenhaft.“

„Vielleicht: wie wunderbar! Denken Sie, dass für alle Zukunft Konflikte vermeidbar sein werden. Nur die Maschinen sind von jetzt an unvermeidbar.“

Asimov, Ich, Robot, Heyne, 1979, S. 173.

Deutsche Wohnen enteignen – Volksbegehren in Berlin

Das könnte das Meisterstück der Direkten Demokratie in Berlin werden. Eine Gruppe aus Leuten von Mietenvolksentscheid, Kotti & Co, Mieterinitiativen, Mieterinnen der „Deutschen Wohnen“ und der Interventionistischen Linken   wollen große Wohnungsbestände in  Berlin wieder Re-Kommunalisieren. Es gab seit der Reform der Gesetzgebung zum Volksbegehren 2006 verschiedene Re-Kommunalisierungsvorstöße. Einmal zur Rekommunalisierung der Berliner Energieversorgung (knapp gescheitert) und zur Offenlegung der Teilprivatisierungsverträge bei den Berliner Wasserbetrieben (als erstes Berliner Volkbegehren erfolgreich).

Aber was jetzt ansteht, ist eine Nummer größer, die direkte Enteignung eines Groß-Konzerns wie Deutsche Wohnen (Umsatz 2017: 1,2 Mrd Euro, Aktuelle Finanzdaten)

Anteil Anteilseigner
9,94 % Massachusetts Financial Services Corporation (MFS), Boston Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten
9,52 % BlackRock, Inc., New York City Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten
6,93 % Norges Bank, Oslo Norwegen Norwegen (mittelbar für den Staatlichen Pensionsfonds)
4,99 % Vonovia SE, Bochum Deutschland Deutschland
31,38 % Gesamtstimmrechte der vorstehenden Aktionäre

Berlin ist für die Deutsche Wohnen, nach der Übernahme der kommunalen GSW (von Cerberus und Goldmann Sachs), die die landeseigene GSW 2004 vom Land Berlin gekauft hatten (Rot-Roter Senat!!!)) , mit ca. 100.000 Wohneinheiten ihr mit Abstand größter Markt.

In der letzten Zeit ist die Deutsche Wohnen in Berlin unangenehm mit dem Versuch aufgefallen, an der Karl-Marx-Allee weitere hunderte Wohnungen zu übernehmen. Die Bezirksämter Mitte und Friedrichshain sind inzwischen durch den Mieterprotest zu einer härteren Gangart gegen den Konzern übergegangen und versuchen über das Vorkaufsrecht  die „Deutsche Wohnen“ auszubooten. Aber die Initative „Deutsche Wohnen enteignen“ geht jetzt deutlich weiter und fordert die Enteignung des Konzerns und andere Big-Player auf dem Berliner Wohnungsmarkt (Vonovia, Akelius, ADO Properties und Grand City Property, insgesamt ca. 200 000 WE).

Rechtlich und Politisch ist das hochinteressant und könnte, so oder so, eine Signalwirkung für den ganzen Berliner Immobiliensektor haben – und nicht nur für den. Das wäre, nach der Vertreibung von Google aus Kreuzberg, der ganz große Coup. Denn es ist ja so: die Explosion der Berliner Boden- Wohnungspreise und die damit verbundenen Mietpreissteigerungen gehen zu einem guten Teil auf das hereinströmende niedrigzinsgedopte Finanzkapital zurück. Oh, hat da jemand Blackrock gesagt? Nein, wollten die nicht gerade Kanzler in ganz Deutschland werden?

Rechtlich geht da einiges. Enteignung klingt ja für viele nach Sowjet-Kommunismus und nicht nach deutschem Grundgesetz, Berliner Landesverfassung oder gar nach schnöden Paragrafen des Baugesetzes. Aber so sieht, vereinfacht, die juristische Sachelage aus:

BLV

Artikel 23

(1) Das Eigentum wird gewährleistet. Sein Inhalt und seine Schranken ergeben sich aus den Gesetzen.

(2) Eine Enteignung kann nur zum Wohle der Allgemeinheit auf gesetzlicher Grundlage vorgenommen werden.

 GG

Artikel 14

(1) Das Eigentum und das Erbrecht werden gewährleistet. Inhalt und Schranken werden durch die Gesetze bestimmt.
(2) Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.
(3) Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig. Sie darf nur durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes erfolgen, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt. Die Entschädigung ist unter gerechter Abwägung der Interessen der Allgemeinheit und der Beteiligten zu bestimmen. Wegen der Höhe der Entschädigung steht im Streitfalle der Rechtsweg vor den ordentlichen Gerichten offen.

Artikel 15

Grund und Boden, Naturschätze und Produktionsmittel können zum Zwecke der Vergesellschaftung durch ein Gesetz, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt, in Gemeineigentum oder in andere Formen der Gemeinwirtschaft überführt werden. Für die Entschädigung gilt Artikel 14 Abs. 3 Satz 3 und 4 entsprechend.

Die Einzelvorschriften  zum Thema Enteignung im Baugesetz §85 – §122 Hier

Die Expropriation der Expropriateure

Artikel 15 Grundgesetz, worauf sich die Enteignungsinitiative im besonderen Maße bezieht,  wurde so nie angewendet. Es ist auch fraglich, ob sie als alleinige Begründung einer Enteignung gerichtliche Relevanz hätte. Aber der GG-Artikel ist trotzdem interessant. Er verbürgt die Offenheit des Grundgesetztes gegenüber verschiedenen Wirtschaftsformen. Die Wahl der Wirtschaftsform wird damit explizit dem Gesetzgeber und zukünftigen parlamentarischen Mehrheiten überlassen. Die Frage, ob der Artikel 15 eher historische zu lesen und zu verstehen sei, oder eine bis heute geltende verfassungsmäßige Gestaltungsoffenheit des Wirtschaftssystems postuliert, ist hier nicht zu entscheiden. Muss ich auch nicht, dass kann man der demokratischen Auseinandersetzung überlassen.

Die SPD (Austria Branch) hatte da ja schon  vor hundert Jahren sehr gute Vorschläge durch den Abgeordneten Otto Bauer machen lassen.  Otto Bauers „Wege zum Sozialismus“ haben die ganze Sachlage zur Wohnungsfrage, der Verwertung und Verarmung schon mal präzise beschrieben und Vorschläge zur Lösung gemacht:

Eines der charakteristischen Merkmale der kapitalistischen Gesellschaftsordnung ist die Zusammenballung immer gewaltigerer Volksmassen in den Großstädten und Industriegebieten. In dem Maße, als die Bevölkerung der Großstädte und Industriegebiete wächst, steigen die Wohnungspreise, die Grundrente, die Bodenwerte. Während den Eigentümern des städtischen Grund und Bodens infolge des Wachstums der Bevölkerung ein unverdienter Wertzuwachs zufällt, drängt sich die Volksmasse immer dichter in überbevölkerten Mietkasernen zusammen. (…) Fünf Jahre lang sind keine Wohnhäuser gebaut worden; vielen Gemeinden droht daher furchtbare Wohnungsnot. Die Baukosten sind ungeheuer gestiegen; es droht daher, sobald die Mieterschutzgesetze außer Wirksamkeit treten, eine ungeheuere Steigerung der Mietzinse.

Auch zur Lösung der Wohnungsfrage äußert sich der Sozialdemokrat Bauer:

Zu diesem Zweck muß der Staat den Gemeinden das Recht zugestehen, das städtische Bauland und die Miethäuser im Stadtbezirk zu enteignen. Die bisherigen Eigentümer müssen selbstverständlich von den Gemeinden entschädigt werden. Sie werden als Entschädigung Wertpapiere empfangen, die sie berechtigen, einen festen Zins aus dem Erträgnis des kommunalisierten Bodens zu beziehen. Ist dies gesetzlich geregelt, so wird es jeder Gemeinde freistehen, entweder nur den noch unbebauten Boden oder aber auch die schon bestehenden Miethäuser in ihren Besitz zu übernehmen, wenn sie dies für vorteilhaft findet. Wenn eine Stadt befürchten muß, dass infolge der politischen und wirtschaftlichen Neugestaltungen ihre Bevölkerung zurückgehen wird, dann wird sie es allerdings kaum vorteilhaft finden, den Boden in den Gemeindbesitz zu überführen. Städte aber, die erwarten dürfen, dass ihre Bevölkerung auch in Zukunft wachsen wird, werden den Boden zu dem gegenwärtigen Preise übernehmen, damit der Wertzuwachs des Bodens, der infolge des Wachstums der Bevölkerung eintreten wird, nicht mehr Privatleute bereichere, sondern der Gemeinde zufalle.

Der Volksentscheid

Und es ist mitnichten so als ob in Berlin und Deutschland nicht enteignet würde. Ich glaube, gelesen zu haben, dass im letzten Jahr ca. 100 Wohnungen in Berlin aus den unterschiedlichsten Gründen enteignet wurden. Es gibt sogar eine Enteignungsbehörde bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen. Für einen geordneten Ablauf der Enteigung wäre also gesorgt.

Ab Frühjahr 2019 gehts richtig los und es werden die  Unterschriften für die erste Hürde des Volksbegehrens gesammelt. Für den Antrag auf Volksbegehren müssen innerhalb von 6 Monaten 20.000 Unterschriften gesammelt werden. Maximal 7 Monate nach der erfolgreichen Einreichung des Antrags müssen in einer weiteren Unterschriftensammlung 7% der Wahlberechtigeten Berliner unterschreiben. Nach erfolgreicher Einreichuung dieser Unterschriften muss nach 4 Monaten die Abstimmung abgehalten werden. Das mit dem Abstimmungsquorum hab ich nicht richtig kapiert.

Also, ab Frühjahr 2019 gilt es. Werden wir aktiv, bilden wir Ketten und machen mal was wirklich politisch Schönes!

Voyager 2 verlässt die Heliosphäre – Arecibo Botschaft und Goldene Schallplatte

Die Voyager 2-Sonde ist 1977 gestartet und Richtung Oortscher Wolke (Kometenwolke) unterwegs, die zu erreichen sie wohl weitere 300 Jahre brauchen wird, das Durchqueren dauert dann schlappe 30.000 Jahre. Voyager 2 folgt Voyager 1 in den interstellaren Raum. Zur Heliosphäre gehört der Bereich um die Sonne, indem man noch durch den Sonnenwind verteilte elektromagnetische Felder messen kann, im Gegensatz zum interstellaren Raum, dem Raum zwischen den Sternen verschiedener Galaxien, in welchem das interstellare Medium das Sagen hat, eine Suppe aus Materie (Gas und Staub) und kosmischer und elektromagnetischer Strahlung.

Die Orrtsche Wolke

Und wenn Ihr Euch jetzt fragt: Was juckt mich das, so kurz vor Weihnachten? Nun, beide Sonden, tragen, neben einigem technischen Gerät,  eine wichtige Nachricht von Euch durch den Orbit. Und wenn Ihr eines Tages im Schlaf von Anti-Materie-Kanonen irgendeiner intelligenten Amphibienart aus den Tiefen des Kosmos ausgelöscht werdet, könnt ihr Euch bei diesem Mann hier beschweren: Carl Sagan. Well, theoretisch, denn leider ist der Mann schon gestorben, und ihr nach dem Alienangriff, dann vermutlich auch, also, nevermind. Aber er und Frank Drake haben die Molche auf Euch aufmerksam gemacht. Sie waren an allen, nämlich drei, in den Orbit geschickten menschlichen Botschaften maßgeblich beteiligt. Die „Arecibo Message“ (1974) und zweimal die „Voyager Golden Record“ (1977).

Die Arecibo Botschaft

Die „Arecibo Message“ ist ein relativ verrätselte und eine für den Durchschnitts-Lurch schwer zu empfangende und zu deutende Radiowellen-Botschaft. Abgeschickt vom Arecibo Observatorium auf Puerto Rico. Der Binärcode aus Null und Eins enthält sieben Abschnitte: Zahlen, chemische Elemente, Nukleotide, Struktur der DNS, Menschheit, Planet Erde, Teleskop bzw. Sender.

Der erste, in der Grafik weiß dargestellte Teil der Botschaft zeigt zehn Objekte, die die Zahlen 1 bis 10 in binärer Codierung darstellen. Dabei stellt ein farbiges Quadrat eine Eins dar, ein schwarzes Quadrat eine Null. Die unterste Zeile zählt nicht zur binären Codierung, sondern gibt die Position des kleinstwertigen Bits an. Die zehn Objekte sind durch Leerspalten seitlich getrennt. Damit ist der erste Teil wie folgt zu interpretieren:

0 0 0 1 1 1 1 00 00 00
0 1 1 0 0 1 1 00 00 10
1 0 1 0 1 0 1 01 11 01
X X X X X X X X  X  X  ← markiert die Informationseinheit mit der kleinsten Wertigkeit

Zu lesen sind – von links nach rechts – die Binärcodes (Dezimalcodes in Klammern) 001 (1), 010 (2), 011 (3), 100 (4), 101 (5), 110 (6), 111 (7), 001000 (8), 001001 (9), 001010 (10).

Um die Bedeutung dieses Absatzes zu verstehen, müsste ein Empfänger ihn also als Binärcode decodieren und hätte in Folge die Leseanleitung, Binärzahlen von einem Basispunkt aus zu lesen.

Golden Record

Bei der „Golden Record“, den Botschaften der Voyager-Sonden, handelt es sich um handfeste goldbeschichtete Kupferscheiben, die neben den „eingeritzten“ Zeichungen, Bild und Tondateien enthalten. Die Scheiben sollen eine Haltbarkeit von 500 Millionen Jahren haben. Das ist selbst bei striktestem Lebenswandel der Menschheit für Selbige wahrscheinlich nicht zu erreichen.

Warum ist das jetzt eine Erwähung wert? Als ich begonnen hatte, mich in das Thema ein bisschen einzulesen, war ich zunächst  von dem schönen Gefühl beseelt, das ensteht, wenn man so tut, als ob man zu dieser klugen Menschheit gehört, die so etwas intelligentes wie einen Raumflug vollbringt, und ihre Existenz schönen Wesen im Universum  mitteilen möchte.

Das Existenzielle Risko

Und dann haben die Kritiker wieder alles kaputt gemacht. Denn wenn man es durchdenkt und sich vorstellt, dass uns  recht ähnliche Wesen (und das müssen sie sein, ansonsten verstehen sie die Botschaft nicht) tatsächlich, nach Erhalt aller nötigen Informationen, einen Besuch abstatten. Wie bitte, soll man sich den Kontakt denn vorstellen? Wenn die Lurche uns auch nur ein bisschen ähneln, dann werden die versuchen uns platt zu machen, Wälder abholzen, Kunstschätze klauen, Erdöl aus der Erde pumpen, Gold aus den Bergen waschen. Und wenn sie fertig sind, jagen sie den Rest in die Luft. Stephen Hawking hat das mit der „Begegnung“ der europäischen Siedler und der amerikanischen Ureinwohner verglichen.

„We only have to look at ourselves to see how intelligent life might develop into something we wouldn’t want to meet.“

Wenn uns also die Aliens in Gier und Niedertracht auch nur ein bisschen ähneln, dann wird das Treffen kein Fest mit Rababerkuchen und Kakao. Deswegen hat es der „Kontakt mit Außerirdischen“ auch in die Liste der existenziellen Bedrohungen der Menschheit geschafft, neben Atomkrieg, Grauer Schmiere, Gammablitzen und Pandemien.

Gut, die Oortsche Wolke ist noch weit, dieses Weihnachten dürfte, da noch nichts passieren.

The Twist: Das Zentrum für Politische Schönheit und Donald Trump

Der hat gesessen! Das nenne ich mal einen Twist. Bisher ist das Zentrum für Politische Schönheit ja eher durch durchs Auffallen aufgefallen, aber der jetzt war gut. Mit solchen Leuten kann die Partei was anfangen. Als Autor dessen Debüt den Titel  „Der Denunziant“ trägt, hatte ich mir gestern eigentlich vorgenomme, etwas kritisches über die Genossen zu verfassen. Nicht unbedingt wegen des denuzierens von Menschen, denn die Frage lautet ja selbstverständlich immer: wer wird durch wen denunziert ?  Einem Josef Mengele  sollte man keinen angenehmen Lebensabend gewünscht haben, sondern einen anständigen Denunzianten next door, einen,der sein Handwerk versteht.  Dazu kann man natürlich auch anderer Meinung sein.

Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, Olaf Zimmermann, sprach von einer „problematischen Kunstaktion, die nicht zur Aufklärung beiträgt, sondern nur der Spaltung unserer Gesellschaft weiter Vorschub leistet“. Dabei spiele es keine Rolle, „ob der Pranger real oder Fake ist, und schon gar nicht rechtfertigt das Ziel dieses Mittel“, sagte Zimmermann.(DIE ZEIT)

Der Spaltung unserer Gesellschaft wird Vorschub geleistet? „Geh mal arbeiten“, möchte man ihm zurufen. Die Spaltung unserer Gesellschaft kommt von Scheiß-Löhnen, Ausbeutern wie Oliver „Gerechtigkeit ist ein marxistischer Begriff“ Bäte (Allianz, Jahresgehalt 6,2 Mio Euro) und der zwanghaften Verwertung noch des letzten Reifenabriebes auf der Straße. Ich bin in den 90igern im Osten aufgewachsen, dass läuft unter Abreibung würde ich sagen.

Aber ja: Am Zentrum störte mich bisher nur die Abwesenheit der Klassenfrage in ihren Aktionen, dass meine ich ernst. Holocaust, Flüchtlinge, Waffenfabriken. Schön und gut, das muss man bearbeiten, auch „agressiv humanistisch“, wenn einer will. Aber das bringt das ZPS aber nur ins Fernsehen. Radikale Fragen und Antworten auf den Dreiklang Eigentum, Verteilung, Herrschaft bringen einen nach wie vor direkt in den Knast oder als Paketfahrer zu Amazon.

Aber sei es drum: Diese Fangschalte war eine Spitzenleistung.

Jedem Besucher der Seite wurde ein zufälliges Sample aus nur 20 Profilen pro Kategorie ausgespielt. Viele von Euch braunen Mobbern haben dann sofort die Suchfunktion genutzt und oftmals zuerst den eigenen Namen gesucht. Die Suchdaten wurden gemäß Datenschutzbestimmung wie bei allen Web-Suchdiensten mitgeloggt und einer pseudonymisierten Benutzerkennung zugewiesen. Als nächstes haben mehr als 62 Prozent der relevanten Besuchergruppe unsere Datenbanken nach Familienangehörigen durchforstet, bevor im Schnitt nach 6,72 Freunden oder Bekannten gesucht wurde.

Je nach Anfrage haben wir bei erneutem Besuch oder Reload (ja, deshalb haben wir nur 20 Profile ausgespielt und um Reload gebeten) ein neues Sample angezeigt. Die Suchanfrage förderte nicht nur jede Menge vollständiger Namen zutage, sondern auch Wahrscheinlichkeitswerte: wenn Du uns einen von 1.500 Namen gibst, die wir schon kennen (insbesondere, wenn er nicht ganz so prominent oder gar nicht bekannt ist), dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Du mehr von dem weißt, was wir wissen wollen. Die Datensätze boten die einmalige Möglichkeit, das „Netzwerk Chemnitz“ auszuleuchten. Mittels Netzwerkanalyse und Datenvisualisierung waren Freundeskreise, Knotenpunkte, Mitläufer und Aufenthaltsorte relativ einfach auswertbar. Die Ausgangsprofile haben wir gescored und die Scoring-Werte färbten wiederum auf die Gewichtung der Gesuchten ab. (Webseite ZPS)

Und jetzt? Werden mit den von KI gesteuerten Allgorithmen die Todeslisten vervollständigt?

Ach, und der Trump hat auch wieder eine Sohle aufs Parkett gelegt: Militärbudget kürzen, Abrüstungsverhandlungen mit Russland und China. Wenn er so weiter macht, muss Barak „Drohnenkrieg“ Obama seinen Friedensnobelpreis noch an ihn abtreten.

Was für ein Tag, politisch und privat.

Pandemie: One man bands Ich bin auf eine sich pandemisch ausbreitende völlig neuartige  Musikbewegung gestoßen: One Man Bands. Ja, ich weiß, abgebrannte Musiker, die an der Ecke stehen oder einem in den Kaffee reinhuben, gibts schon lange. Auch die Fraktion Loopmaschinen-Konzert auf Flohmarkt. Aber Kokosnusstrommel an Gitarre, oder Hochsitzschlagzeug mit Gitarre und Mundharmonika oder Megaeffektketten mit dem man ganze Orchester immitieren kann oder Beinzugpauke mit Tanzeinlage vor bergigem Hintergrund oder einen trötenden metallener Trompetentauchanzug? Buchstäblich in jeder Weltgegend finden sich musikalische Einzelkämpfer, die klingen, als würde eine Big Band hinter ihnen stehen. Chapo! Bravo! Ich jedenfall habe mal meine Effektegeräte wieder in Reihe geschaltet und die Drummachine angeschlossen, um meinen Teil zur Bewegung beizutragen. Demnächst dazu hoffentlich mehr. Und mit der „Werner Hirzel Schnickelgruber Marching Polka Band“ begann alles. Ein aufregend neuer Sound eroberte die Welt. Aber seht selber:

One Man Band in den USA

One Man Band gesehen in ENGLAND

One Man Band rockt JAPAN

Zweite One Man Band in den USA

One Man Band in INDONESIEN

Auch in INDIEN darf One Man Band nicht fehlen

One Man Band vor Truck in THAILAND

One Man Band gegen Autoverkehr in KENYA

One Man Band allein in URUGUAY

One Man Band fischt in SLOWENIEN

Vater aller One Man Bands aus FRANKREICH

One Man Band sonnt sich in ALASKA

One Man Band Kollektiv in CHILE

 

Prenzlauer Berg – Wodkakopfschuss

Bernd Heyden, Wodkakopfschuss, Berlin – Ecke Prenzlauer, Fotografien 1966-1980

Bernd Heyden, Rauchende Kinder, Berlin – Ecke Prenzlauer, Fotografien 1966-1980

Bernd Heyden, Der Stehgeiger, Berlin – Ecke Prenzlauer, Fotografien 1966-1980

An Bernd Heydens Fotos des Prenzlauer Berges und seiner Einwohner kann man ungefähr die Distanz ermessen, die viele Ostdeutsche Richtung Westen zurückgelegt haben. Vermutlich sah es im Ruhrpott nicht wesentlich anders aus. Aber wenn Du heute durch den Prenzlauer Berg gehst, siehst du nichts mehr von dieser Vergangenheit. Die Orte sind weg, die Menschen  sind weg. Jetzt gibt neue Orte und neue Menschen. Nur noch wenige Wodkakopfschüsse und wenn dann von polnischen Obdachlosen und Easy-Jet-Touristen, die neuen Einheimischen trinken vermutlich gemäßigter.

Und der Heyden ist so speziell wie seine Fotos gewesen. Ausgebildeter Damenschneider, arbeitet Ende der Fünfziger Jahre als Bügler. Dann 1962  als Chauffeur des Rektors der Hochschule für bildende und angewandte Kunst in Berlin-Weißensee, 1963 persönlicher Fahrer des Leiters des Instituts für angewandte Kunst (später Amt für industrielle Formgestaltung). Von da an läuft er zu großer Form auf. Hat genug Zeit, am Auto lehnen, warten, umschauen, beobachten. Heyden beginnt zu fotografieren. Und fotografiert sich Schritt für Schritt nach oben, bis zur Aufnahme in den Verband bildender Künstler der DDR. Ganz Großes ist dem Heyden versagt, denn er stirbt schon 1984, vermutlich an den Folgen seiner Alkoholsucht.

Der proletarische Hintergrund vieler DDR-Künstler ist interesssant. Einmal natürlich diejenigen, die der Ideologie gemäß als schreibende, schauspielernde und malende Arbeiter einer proletarischen Kunst zum Durchbruch verhelfen sollten. Wobei ich das nicht abwertend meine, siehe Heyden und andere. Und dann gab es diejenigen akademischen Künstler, die sich aus Opposition und aus Gründen individueller Lebensgestaltung ihr inoffizielles Künstlerdasein mit allenmöglichen Jobs erarbeiten mussten und so zwangsläufig Einblick in Fabrik, Tagebau und Leichenschauhaus bekamen. Vielleicht ist das die genuine Stärke der DDR-Kunst und der DDR-Künstler, dass sie diese, häufig erzwungene (§ 249 StGB der DDR stellte „Gefährdung der öffentlichen Ordnung durch asoziales Verhalten“ unter Strafe), Verwobenheit in die Sphäre der Produktion, der Lebenswelt der kleinen Leute und gesellschaftlichen Randfiguren hatten. Vielleicht.

Bernd Heyden, Berlin – Ecke Prenzlauer, Fotografien 1966-1980,  Herausgegeben von Mathias Bertram in Zusammenarbeit mit dem Bildarchiv
Preußischer Kulturbesitz
Bilder und Zeiten. Hrsg. von Mathias Bertram. Band 6
ISBN 978-3-937146-61-4