Pasewalk oder Ich freue mich auf meinen Tod

„Ich freue mich auf meinen Tod,
Ach, hätt er sich schon eingefunden.
Da entkomm ich aller Not,
Die mich noch auf der Welt gebunden. „,

Das sang Torsten Hamperl und spätestens da erbleichten einige Gesichter im Publikum. Diese Lesung war nichts für todessensible Gemüter, denn Todessehnsucht, Weltuntergang und die ostdeutsche Provinz sind nicht jedermanns Sache. Zumal wenn sie gemeinsam vor den Kadi treten und dazu noch Cello (Christian Breuer) gespielt wird. Das Wetter draussen war entsprechend nasskalt und drinnen herrschte Rollkragen und -Brillenpflicht, zumindest beim Dichter. So langsam tut bei mir die dm-Lesebrille Not. Auch wenn ich dadurch die Augengröße eines Pferdes erreiche, nur mit dem gallopieren klappt es noch nicht so gut.

Also, Buchpremiere mit der Johann Sebastian Bach Kantate „Ich habe genug“ und „Tonatiuh oder Apokalypse in Pasewalk„. Die Kantate entstand 1727, anlässlich „Maria Reinigung„. Simeon erkennt den Heiland und wünscht sich ab diesem Moment nichts sehnlicher als den Tod. Wie wir wissen geht dieser Wunsch bei jedem Menschen in Erfüllung. Es ist also ein guter Wunsch. Was hat das mit uns zu tun? Nun, das Zeitgeistbarometer steht bei vielen Zeitgenossen auch auf Untergang, den eigenen, Deutschlands, Europas, der Welt. Nur der Untergang des Universums verursacht keinem Bauchschmerzen. Das wird sich spätestens mit dem Zerreißen desselbigen ändern.

Die Sache mit den ins Kraut schießenden Endzeiterwartungen

Die Sache mit den ins Kraut schießenden Endzeiterwartungen ist nicht witzig, denn sie verleitet den Menschen zu allerlei unbesonnen Handlungen. Die Zeit ist so, das die Menschen das Goldene Zeitalter entweder hinter sich oder vor sich liegend wähnen, jedenfalls leben sie in einem dunklen Moment. SO, sagen die Menschen. Ich sage nur „…oder Apokalypse in Pasewalk“. Es verwechselt sich die Angst vor dem eigenen Ableben mit Sachen, denen die eigene Existenz ganz gleichgültig ist: die Nation, das Abendland, die Welt, das Universum. Entgegen allem Aufmerksamkeitsgeringe ist am Ende dann doch nur Schicht im Schacht und die Frage „Wer löscht meine social media accounts“ stellt sich nur den Hinterbliebenen. Und die, ganz ehrlich, streiten lieber ums Erbe.

Jeder, der schon mal eine Urne in der Erde versenkt hat, weiß was übrigbleibt: Nichts! Also, jauchzet und frohlocket:

„Schlummert ein, ihr matten Augen,
Fallet sanft und selig zu!
Welt, ich bleibe nicht mehr hier,
Hab ich doch kein Teil an dir,

Was kommt als nächstes? Ich denke, ich sollte mit Masterplan B mal wieder im „Gelegenheiten“ auftreten.