Beste Literatur für Qanons

Denke daran, dass der Mensch des Menschen Feind ist, und dass er sinnt auf Vernichtung. Denke daran immer. Denke daran jetzt.

Günter Eich „Träume“

Da manche Menschen dringend daran glauben müssen, dass in unterirdischen Tunneln Kindern auf bestialische Weise Blut abgezapft wird, welches reichen alten Knackern wahlweise zur Verjüngung oder zur Heilung von Krankheiten dient. Und da sie dringend daran glauben müssen, dass die US-Armee ihnen schon hart auf den Fersen ist und sie befreien wird. Und da sie dringend daran glauben müssen, dass die Juden und geheime Geheimorganisationen dahinter stecken. Da dachte ich, dass sich die Schreiberlinge seit dem Mittelalter umsonst den Arsch aufgerissen haben, um gute Stories zu erfinden, denn im Grunde wollen die Leute ja immer nur das eine: dem Menschen Feind sein und auf dessen Vernichtung sinnen.

Das ahnte vermutlich auch schon Günter Eich in den fünfziger Jahren, des an Bestialitäten reichen 20. Jahrhunderts und hat damals schon was leckeres für die Qanons aufgeschrieben: Kleiner verängstigter Junge wird von den Eltern an alten Knacker verkauft, der sich mit dessen Blut zu verjüngen gedenkt. Sehr gruselig, aber so mögen es die Qanons dieser Welt seit dem Mittelalter. Also, Bitte!

Günter Eich ist für mich einer der besten Hörspielautoren. Der Mann ist so unfassbar gut, seine Hörspiele sind das intelligenteste was das Genre in Deutschland hervorgebracht hat. Ein Genie.

Zu meinen Favoriten von Günter Eich gehören (alle auf Youtube hörbar):

  • Festianus, Märtyrer
  • Der letzte Tag von Lissabon
  • Träume
  • Allah hat hundert Namen