Isaac Asimov: Ich, der Robot

Issac Asimov: Ich, der Robot.

Asimovs Roman „Ich, der Robot“ erschien erstmals 1950. Wobei „Roman“ als literarische Gattungbezeichnung nicht ganz korrekt ist, denn bei „Ich, der Robot“ handelt es sich um neun durch eine Rahmenhandlung zusammengehaltenen Kurzgeschichten, die einzeln schon vorab erschienen waren.

Unsterblichen Ruhm erlangte „Ich, der Robot“ durch die Formulierung der „Robotergesetze (The three laws of robotics)“. Diese tauchen erstmals in der im Roman enthaltenen Erzählung „Runaround“ auf. Und lauten wie folgt:

1.Ein Roboter darf kein menschliches Wesen verletzen oder durch Untätigkeit zulassen, dass einem menschlichen Wesen Schaden zugefügt wird.

2.Ein Roboter muss den ihm von einem Menschen gegebenen Befehlen gehorchen – es sei denn, ein solcher Befehl würde mit Regel eins kollidieren.

3.Ein Roboter muss seine Existenz beschützen, solange dieser Schutz nicht mit Regel eins oder zwei kollidiert.

Asimov, Ich, der Robot, Heyne, 1979

Der Roman

Issac Asimov (1929- 19929

In „Ich, der Robot“ werden verschiedene Szenarien durchgespielt, in denen die „Robotergesetze“ die Automaten zu einem bestimmten Verhalten zwingen, das nicht immer im Sinne der menschlichen Erfinder ist. Den „Fehler“ zu finden wird von einer Robotgeneration zur nächsten immer schwieriger. Die Hauptprotagonisten, die Ingenieure Gregory Powell und Minchael Donovan sowie die Roboterpsychologin Susan Calvin, sind damit beschäftigt den Gründen für die unterschiedlichen „Störfällen“ der Automaten nachzugehen. Von Geschichte zu Geschichte werden die Roboter immer menschenähnlicher und zeigen Formen eines Selbstbewusstseins. Am Ende steuern mehrere Künstliche Intelligenzen die Wirtschaftskreisläufe des Planeten.

Planwirtschaft durch KI

Und das ist natürlich durchaus eine interessante Vorstellung: Planwirtschaft mit Hilfe von KI. Da der Kapitalismus, vor allem in seiner derzeitigen Erscheinungsform als Finanzkapitalismus, per Statut Krisen produziert (größtenteils Überproduktionskrisen und Finanzblasen), ist die Idee einer auf KI basierenden Planwirtschaft nicht ohne Charme. Denn das kann KI, Datenmengen bewältigen, Produktionszyklen planen; Verteilung organisieren, nur gute Witze machen, kann sie nicht.. Aber die Stahlproduktion eines bestimmten geografischen Raumes mit dessen Industrie- und Bauwirtschaftsdaten abzugleichen, kann sie vermutlich. Es gibt da auch durchaus historische Vorläufer bzw Realisierungsversuche, z.B das chilenische Cybersyn unter der Regierung Allende Anfang der siebziger Jahre.

Cybersyn

Cybersyn Kontrollraum

Chile als Vorreiter der Digitalisierung der Wirtschaft? Genau! Nachdem in Chile ab 1970 ein Großteil der Schlüsselindustrien verstaatlicht worden waren und deren Organisation und Steuerung einer Zentralen Verwaltung unter Fernando Flores übertragen wurde, enstand die Idee sich kybernetischer Managmentmodelle zu bedienen. Stafford Beer, englischer Organisationsforscher und Kybernetiker („Cybernetics and Management“, 1967), wurde mit der Aufgabe betraut, die chilenischen Volksbetriebe so zu vernetzen, dass eine zentrale Steuerung der Ressourcen und ein schnelles Beheben von Problemen gewährleistet wären. Die Steuerung bestand genaugenommen aus einem IBM Zentralcomputer und 400 Telexmaschinen, die aus den den Betrieben täglich 12 Kernzahlen übertrugen. Ein zentrales Eingreifen in den Produktionsprozess war aber erst vorgesehen für den Fall, dass die Probleme nicht lokal behoben werden konnten. Der Operationroom des Projekts Cybersyn ist ein gutes Beispiel für die Vereinbarkeit von sozialem Ausgleich, Demokratie, fortschrittlicher Organisation, Technik und Design. Hier ist ein zentraler Ansatzpunkt neue soziale Wirtschaftsformen zu denken. Denn bei dem heutigen Stand der Digitalisierung ist eine zentrale Plannung der wichtigsten Ressourcen, Großbetriebe, Wohnungen machbar und ein schönes Projekt für eine wache und kluge Generation von Menschen.

Weiterführend in dem Zusammenhang:

Medina, Eden (2014). Cybernetic Revolutionaries: Technology and Politics in Allende’s Chile.

Paul Mason Postkapitalismus, Grundrisse einer kommenden Ökonomie

Karl Marx, Maschinenfragment (aus: Grundrisse der Kritik der Politischen Ökonomie)

Punshline

„Stephen, wie können wir wissen, was letztlich gut ist für die Menschheit? Uns stehen die unendlich vielen Faktoren nicht zur Verfügung, die die Maschine besitzt. Vielleicht ist es ein gutes Beispiel, wenn ich sage, dass unsere ganze technische Zivilisation mehr Unglück und Elend geschaffen als beseitigt hat. Vielleicht wäre eine landwirtschaftliche Zivilisation mit weniger Kultur und weniger Menschen besser. Wir wissen es nicht. Nur die Denkmaschinen wissen es, gehen auf jenes unbekannte Ziel zu und nehmen uns mit sich.“

„Aber Susan – mit dem was Sie soeben sagen, behaupten Sie ja die „Gesellschaft für die Menschlichkeit“ habe recht, und Sie geben zu, dass wir tatsächlich die Entscheidung, über unsere Zukunft verloren haben.“

„WIR HATTEN SIE JA NIE. Immer waren wir auf Gnade und Barmherzigkeit ökonomischen und sozialen Kräften ausgeliefert, die wir nicht verstanden haben. Wir waren abhängig von den Launen des Klimas und der Wechselfälle der Kriege. Die Maschinen verstehen all diese Kräfte, und keiner kann sich ihnen in den Weg stellen. Wer immer es tut den werden die Maschinen beseitigen, so wie sie die Mitglieder der „Gesellschaft für Menschlichkeit“ beseitigt haben. Denn die MAschinen haben jene beste Waffe zur Verfügung, die es gibt – die absolute Kontrolle über unsere Wirtschaft.“

„Wie grauenhaft.“

„Vielleicht: wie wunderbar! Denken Sie, dass für alle Zukunft Konflikte vermeidbar sein werden. Nur die Maschinen sind von jetzt an unvermeidbar.“

Asimov, Ich, Robot, Heyne, 1979, S. 173.