Voyager 2 verlässt die Heliosphäre – Arecibo Botschaft und Goldene Schallplatte

Voyager 2 verlässt die Heliosphäre – Arecibo Botschaft und Goldene Schallplatte

Die Voyager 2-Sonde ist 1977 gestartet und Richtung Oortscher Wolke (Kometenwolke) unterwegs, die zu erreichen sie wohl weitere 300 Jahre brauchen wird, das Durchqueren dauert dann schlappe 30.000 Jahre. Voyager 2 folgt Voyager 1 in den interstellaren Raum. Zur Heliosphäre gehört der Bereich um die Sonne, indem man noch durch den Sonnenwind verteilte elektromagnetische Felder messen kann, im Gegensatz zum interstellaren Raum, dem Raum zwischen den Sternen verschiedener Galaxien, in welchem das interstellare Medium das Sagen hat, eine Suppe aus Materie (Gas und Staub) und kosmischer und elektromagnetischer Strahlung.

Die Orrtsche Wolke

Und wenn Ihr Euch jetzt fragt: Was juckt mich das, so kurz vor Weihnachten? Nun, beide Sonden, tragen, neben einigem technischen Gerät,  eine wichtige Nachricht von Euch durch den Orbit. Und wenn Ihr eines Tages im Schlaf von Anti-Materie-Kanonen irgendeiner intelligenten Amphibienart aus den Tiefen des Kosmos ausgelöscht werdet, könnt ihr Euch bei diesem Mann hier beschweren: Carl Sagan. Well, theoretisch, denn leider ist der Mann schon gestorben, und ihr nach dem Alienangriff, dann vermutlich auch, also, nevermind. Aber er und Frank Drake haben die Molche auf Euch aufmerksam gemacht. Sie waren an allen, nämlich drei, in den Orbit geschickten menschlichen Botschaften maßgeblich beteiligt. Die „Arecibo Message“ (1974) und zweimal die „Voyager Golden Record“ (1977).

Die Arecibo Botschaft

Die „Arecibo Message“ ist ein relativ verrätselte und eine für den Durchschnitts-Lurch schwer zu empfangende und zu deutende Radiowellen-Botschaft. Abgeschickt vom Arecibo Observatorium auf Puerto Rico. Der Binärcode aus Null und Eins enthält sieben Abschnitte: Zahlen, chemische Elemente, Nukleotide, Struktur der DNS, Menschheit, Planet Erde, Teleskop bzw. Sender.

Der erste, in der Grafik weiß dargestellte Teil der Botschaft zeigt zehn Objekte, die die Zahlen 1 bis 10 in binärer Codierung darstellen. Dabei stellt ein farbiges Quadrat eine Eins dar, ein schwarzes Quadrat eine Null. Die unterste Zeile zählt nicht zur binären Codierung, sondern gibt die Position des kleinstwertigen Bits an. Die zehn Objekte sind durch Leerspalten seitlich getrennt. Damit ist der erste Teil wie folgt zu interpretieren:

0 0 0 1 1 1 1 00 00 00
0 1 1 0 0 1 1 00 00 10
1 0 1 0 1 0 1 01 11 01
X X X X X X X X  X  X  ← markiert die Informationseinheit mit der kleinsten Wertigkeit

Zu lesen sind – von links nach rechts – die Binärcodes (Dezimalcodes in Klammern) 001 (1), 010 (2), 011 (3), 100 (4), 101 (5), 110 (6), 111 (7), 001000 (8), 001001 (9), 001010 (10).

Um die Bedeutung dieses Absatzes zu verstehen, müsste ein Empfänger ihn also als Binärcode decodieren und hätte in Folge die Leseanleitung, Binärzahlen von einem Basispunkt aus zu lesen.

Golden Record

Bei der „Golden Record“, den Botschaften der Voyager-Sonden, handelt es sich um handfeste goldbeschichtete Kupferscheiben, die neben den „eingeritzten“ Zeichungen, Bild und Tondateien enthalten. Die Scheiben sollen eine Haltbarkeit von 500 Millionen Jahren haben. Das ist selbst bei striktestem Lebenswandel der Menschheit für Selbige wahrscheinlich nicht zu erreichen.

Warum ist das jetzt eine Erwähung wert? Als ich begonnen hatte, mich in das Thema ein bisschen einzulesen, war ich zunächst  von dem schönen Gefühl beseelt, das ensteht, wenn man so tut, als ob man zu dieser klugen Menschheit gehört, die so etwas intelligentes wie einen Raumflug vollbringt, und ihre Existenz schönen Wesen im Universum  mitteilen möchte.

Das Existenzielle Risko

Und dann haben die Kritiker wieder alles kaputt gemacht. Denn wenn man es durchdenkt und sich vorstellt, dass uns  recht ähnliche Wesen (und das müssen sie sein, ansonsten verstehen sie die Botschaft nicht) tatsächlich, nach Erhalt aller nötigen Informationen, einen Besuch abstatten. Wie bitte, soll man sich den Kontakt denn vorstellen? Wenn die Lurche uns auch nur ein bisschen ähneln, dann werden die versuchen uns platt zu machen, Wälder abholzen, Kunstschätze klauen, Erdöl aus der Erde pumpen, Gold aus den Bergen waschen. Und wenn sie fertig sind, jagen sie den Rest in die Luft. Stephen Hawking hat das mit der „Begegnung“ der europäischen Siedler und der amerikanischen Ureinwohner verglichen.

„We only have to look at ourselves to see how intelligent life might develop into something we wouldn’t want to meet.“

Wenn uns also die Aliens in Gier und Niedertracht auch nur ein bisschen ähneln, dann wird das Treffen kein Fest mit Rababerkuchen und Kakao. Deswegen hat es der „Kontakt mit Außerirdischen“ auch in die Liste der existenziellen Bedrohungen der Menschheit geschafft, neben Atomkrieg, Grauer Schmiere, Gammablitzen und Pandemien.

Gut, die Oortsche Wolke ist noch weit, dieses Weihnachten dürfte, da noch nichts passieren.